Hendrikje 2002

2002 fing damit an, dass Jessy lahmte.

Am 3. Februar sollte unser alljährliches Kostümreiten stattfinden, was Fuz im letzten Jahr als Handpferd mitgemacht hatte. Und da ich ja auch schon mal draufgesessen hatte, beschloss ich es mit ihr zu versuchen. Die Verkleidung fürs Pferd hatte ich im Geiste schon wegrationalisiert, ich wollte sie ja nicht zu sehr schocken. Das letzte mal hatte ich Ende Dezember draufgesessen. Es wäre schon gewagt gewesen, das Pony gleich im Pulk zu reiten. Also fragte ich am 2. Februar Helga, ob sie nicht mit mir ausreiten wolle. Klar!!! "Ich gehe aber mit Fuz mit..." "ööh..."  Sie lies sich nicht wirklich was anmerken, also ritten wir los. Und trafen noch 2 andere Ausreitwillige. Wie zu erwarten war, passierte nichts. Ich lies sie gehen, wie sie wollte. Zwischendurch trabte sie kurze Strecken, benutzte nach einem selbstgewählten Bergabtrab Saneya als Bremsklotz, war aber im grossen und ganzen kooperativ.

Am 3. Februar ritten wir dann beim Kostümreiten mit. Das fand sie sehr spannend, war aber genauso brav wie immer.

Die folgenden Samstage ritt ich mit ihr kleine Runden im Gelände, und am 17. Februar testeten wir Fuzzy auf ihre Kneipentauglichkeit. Helga und ich ritten zum Schmock. Sie stand da angebunden wie ein alter Hase. War sie ja eigentlich auch, denn schliesslich war sie als Handpferd oft genug hier gewesen. Hier konnte ich auch das erste Mal ganz normal aufsteigen. (Bisher hatte man mich immer draufgeworfen)

Am 2. März  waren wir zwei sogar alleine auf einer kleinen Felderrunde.


Bis Ende März gingen wir regelmässig 1 bis 2 mal die Woche ins Gelände, und es klappte immer besser. Am 29. 3. hatte ich Dienst, und Sandra sollte  Fuzzy versorgen. Ich sagte zu ihr, sie könne sie auch reiten (allerdings hätte ich von ihr nicht erwartet, dass sie es wagt...) und sie tat es. Also wussten wir jetzt, dass sie nicht nur bei mit so brav ist, sondern auch bei anderen.

Schliesslich traute sich auch Helga... Und so ritten wir den April 2-3x die Woche in den Busch. Fuzzy zeigte nie Anzeichen von körperlicher oder mentaler Erschöpfung. Hätte sie es getan, dann wäre das Programm sofort zurückgefahren worden. Im Gegenteil, sie war beleidigt, wenn sie nicht mit durfte. Oder als Handpferd laufen sollte.

Im Mai hatten wir einen 4tägigen Aufenthalt in der Eifel geplant. Ich hatte schon bedenken, ob es nicht ein bisschen viel für sie wäre. Da aber alle Mitreiter keine Profis waren, und so die Streckenlängen überschaubar bleiben sollten, wagte ich es. Allerdings waren wir mit 15 Pferden auf Tour. Ich wusste nicht, was passieren würde, wenn ich auf dem Pferd eine Karte auspacke, hatte keine Ahnung, ob sie in einen Bach gehen würde, und wie sie sich im Gruppengalopp anstellen würde. Im heimischen Gelände kannte man sich ja aus, und lief auch immer gerne vorne. Aber würde sie das in der Fremde auch tun? Es war so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Rein in den Bach, raus aus dem Bach, Berg rauf und wieder runter. Das was Jessy in vielen Jahren Eifelreiten erlernt hatte, hatte Fuz schon in den Genen.

Ich beschloss,  Fuzz den Sommer über nur ins Gelände zu reiten und erst mit Beginn der Hallensaison das Dressurreiten anzufangen. Sie sollte sich erst mal nur ausbalancieren, und Muskulatur aufbauen.

Am 11.August gabs dann für Fuzzy die erste Rallye zusammen mit Mona und Sigi.

Wir wurden 1.!

Schliesslich fuhren Nicole, Helga und ich am 13. Oktober zum Euregioritt nach Venlo. Dort mussten wir zwangsläufig auch über 2 Baumstämme springen. Da hatte sie richtig Spass!

 
Ich gab noch einen Reiterpasslehrgang im Oktober. Aber das kannte sie ja schon vom letzten Jahr...

Und am 2. November war Fuzzy das Masterpferd im Nichtspringerfeld auf unserer Jagd.

 
Irgendwann im November habe ich dann auch mal eine Anfänger-Springstunde mitgemacht. Im Gegensatz zu ihrer Mutter ist sie dabei hochmotiviert. Da hat sich gottseidank mal was nicht vererbt!

Im letzten Jahr hatte ich mir eigentlich vorgenommen, den Nikolaus bei der Weihnachtsfeier zweispännig in die Halle zu fahren. Es blieben eigentlich nur noch knapp 4 Wochen, um das zu realisieren.

Also machte ich mit Fuzzy noch mal eine schnelle Wiederholung von Langzügel, Doppellonge, Schleppe ziehen, baute die Kutsche auf 2spännig um, passte das Geschirr an, und fragte dann Stephan, ob er mutig genug sei, die zwei anzuspannen. In der Vorbereitung hatte ich gemerkt, dass Fuz die Schleppe ohne Scheuklappen besser zog, denn es irritierte sie, wenn sich das Geräusch hinter ihr veränderte, und sie es nicht sehen konnte. Sie wollte sich dann immer umdrehen, und es noch mal ansehen. Ohne Scheuklappen war es kein Problem. Also bat ich Stephan, Fuz die ersten Male ohne zu fahren. Erstmalig machten wir am 23.11. eine kleine Ausfahrt. Und weil es so gut klappte, am 24. und 30. gleich noch eine. Dann kaufte ich ein neues Kopfstück für Fuzzy und fuhr am 1. Advent mit Helga eine kleine Runde. Jetzt machten ihr die Scheuklappen nichts mehr, denn sie wusste, was hinter ihr war, und konnte die Geräusche zuordnen.

Auch wieder etwas, das Jessy so nicht mitgemacht hätte. Denn beim Anpassen des Geschirres wollte ich Jessy (ohne Kopfstück) mal neben die Deichsel stellen, um die Länge der Stränge anzupassen. Sie war völlig entsetzt, und absolut nicht bereit, sich vor die Kutsche zu stellen. Da war mir klar, sie weiss normalerweise gottseidank gar nicht, dass sie sonst davor läuft. (Mit Kopfstück war es übrigens kein Problem)

Und so kam es dann, dass der Nikolaus der Weihnachtsfeier 2002 zweispännig hereinkam.


(das hellere Pferd ist Jessy, das dunklere Fuzzy)

Sozusagen zeitgleich fing Britta als Reitbeteiligung im November an. Sie ist quasi der optimale Reitpartner, da nur halbtags berufstätig und mit reitender Tochter. Ausserdem Absolvent des Reiterpasses. Sie ist der Garant dafür, dass Fuz auch im Winter mal die Sonne sieht. Und sie war die Erste, die Fuzzy in einer Abteilungsstunde der Reitschule geritten hat. Zur Enttäuschung von Manuela, der die Reitschule gehört, ging sie nicht durch. Sie buckelte nicht mal.
Im Moment arbeiten wir also daran, Fuzzy die Grundregeln der Dressur beizubringen, was bisher auch sehr gut klappt. Galopphilfen hat sie im Laufe des Sommers im Gelände gelernt, mittlerweile kann sie auch bei 80% aller Versuche auf der richtigen Hand angaloppieren.